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Mountainbiker at the coast of the Faroe Islands

05/2019 // Max Draeger

Shred auf den Schafsinseln

Denkt man an die Färöer Inseln, denkt man sicher nicht ans Biken. Eher an Fußballergebnisse zu Null, schroffe Felsen und Schafe. Max Draeger, Outdoor-Sport- und Abenteuer-Fotograf hat es trotzdem gewagt. Gemeinsam mit seiner Freundin und zwei weiteren Freunden haben sie auf den Färöer Inseln nach Trails gesucht – und sie gefunden.

 

Ein Bike-Abenteuer im Nordatlantik

Fährt man mit dem Schiff von Dänemark nach Island, legt man unweigerlich in der Hauptstadt der Färöer Inseln, Tórshavn, an. Wer möchte, kann den Aufenthalt dort von einer Nacht auf eine Woche ausweiten und das nordatlantische Insel-Archipel etwas genauer erkunden. Wir wollten. Und wir hatten unsere Mountainbikes dabei. Also, warum sich nicht ins Abenteuer stürzen und die satt grünen Hänge der Insel erkunden?

Das Grün der Hänge hat einen Grund: Auf den Färöer Inseln regnet es an 300 Tagen im Jahr. Nicht die besten Bedingungen für einen Bike Trip. Ausgewaschene Wege, sumpfige Wiesen und Tragepassagen sind die Folgen davon. Alles Dinge, die man als Mountainbiker nicht so gerne mag. Aber wir mögen echte Abenteuer und Aussichten wie im Bilderbuch.

Blick auf die Landschaft und zwei Geländewägen unterwegs auf der Straße

Unentdeckter Hotspot

Noch sind die Inseln und die knapp über 50.000 Bewohner vom Massentourismus verschont geblieben. Für ein Abenteuer ist das gut, aber ein Blick in die Karte und ein paar Minuten Internet-Recherche machen uns klar, dass es auch der Mountainbike-Sport hier noch nicht besonders weit gebracht hat. Informationen über Trails sind quasi nicht vorhanden und selbst markierte Wanderwege sind rar. Wer auf der Suche nach einem entspannten Bike-Trip mit Shuttles, Trail-Maps und Fahrrad-Waschplatz ist, wird hier nicht glücklich werden.

Trail’n’Error

Unser Motto also: Trail’n’Error! „Wer sucht der findet“, heißt es doch immer so schön und tatsächlich wird man als Mountainbiker auf den Färöer Inseln fündig – zumindest wenn man mit ausgewaschenen Wegen, sumpfigen Wiesen und dem wechselhaften Wetter klar kommt. Die Tatsache, dass man bergauf nur trägt und schiebt, ist dabei schon eine Selbstverständlichkeit. Der Lohn dieser Plagerei? Jede Menge Abenteuer und Trails mit märchenhaften Ausblicken.

Für alle, die den Trip ebenfalls wagen, können wir den Aufstieg zum Pass zwischen Saksun und Tjørnuvík auf der Hauptinsel Streymoy empfehlen. Hier haben wir einen wirklich schönen Trail gefunden und genau so haben wir uns das Mountainbiken auf den Färöer Inseln vorgestellt: Flowige Trails, die sich satt grüne Hänge hinab schlängeln und den Blick auf atemberaubend schöne Buchten und Steilklippen freigeben.

Ein weiterer Tipp ist die Abfahrt vom höchsten Berg der Inselgruppe, dem Slættaratindur, dessen Gipfelaufbau zwar nicht fürs Radl taugt, unterhalb aber mit einigen schönen Tiefenmetern überzeugt. In der Falllinie liefert der 880 Meter hohe Berg eine rasante Abfahrt.

Mountainbiker auf den Färöer Inseln

Postkartenmotive

Auf der Insel Vágar gibt es für mich als Fotograf einige äußerst fotogene Überraschungen: Steil fallen hier die Klippen der Trælanípa ins Meer ab und sorgen für ordentlich Adrenalin beim Blick über den Fahrradlenker und durch die Linse. Adrenalin und gute Bilder – was will man mehr!

Manchmal reichen mir auch nur Bilder: wie zum Beispiel eins vom Múlafossur Wasserfall. Das bekannteste Postkarten-Motive, das neben dem Örtchen Gásadalur zu finden ist, wurde erst zu Beginn des 21.Jahrhunderts per Tunnel an die Außenwelt angeschlossen. Kaum vorstellbar, dass hier früher lediglich ein Wanderweg als Alternative zum Flug per Helikopter zur Verfügung stand. Wir konnten mit den Autos anreisen und ich habe meine gewünschten Shots bekommen. Alleine dafür hat sich der Trip gelohnt. Zum Mountainbiken würde ich die Färöer Inseln nur bedingt empfehlen, denn hier muss man Wandern wollen. Auch mit dem Rad. Bereut haben wir den Trip aber in keiner Sekunde – und sind sogar ein bisschen in die Inseln verliebt.

Mountainbiker auf den Färöer Inseln